Jacob Nomus – Orwell 2030

Ein experimenteller Text, dessen Ergebnis mich ein wenig an „found footage“ erinnert. : )

Das Cover ist von Petr Ginz.

„Orwell 2030“ erringt den 1. Platz beim 21. Scriptathlon.

„Eine Rasanz, dass einem ganz schwindlig wird. Die eigene Phantasie bekommt Flügel, wird mitgerissen im Strudel der Posts, und die grausame Wahrheit verdichtet sich in den eigenen Gedanken, ohne dass sie ausgesprochen wird.“

Jacob Nomus – Borodim

Ein Fremder gesellt sich in einer Gaststube an den Tisch von vier Freunden. Trotz seiner Warnung, bitten sie ihn, von seiner Reise zu berichten …

Kaum eine Stunde benötigte ich für diesen Text. Böse Zungen werden jetzt sagen: „Sieht man!“ : )

„Borodim“ erzählt eine einfache Geschichte im Fantasy-Gewand. Ein klassischer Aufbau, eine finale Wendung, das Szenario erweist sich anders als vom Leser zunächst angenommen, die Geschichte kippt.
Eher zeichnet sich „Borodim“ dadurch aus, dass die Überlegungen, die zur Umdeutung der Handlung führen, dem Leser nicht in Form von Gedanken und Schlüssen des Protagonisten oder Erzählers direkt dargereicht, sondern ihm selbst überlassen werden. Hinweise auf das tatsächliche Geschehen sind über den Text verteilt und müssen vom Leser gefunden, zusammengefügt und interpretiert werden. Dieses Spiel geht soweit, dass die These des Lesers, wer die vier Freunde sein könnten, die sich in der Gaststube eingefunden haben, von einer Subtraktion gestützt wird.

„Obwohl sie so kurz ist, hatte ich das Gefühl etwas Episches zu lesen.“

„Mich fasziniert immer wieder, wie du mit so wenigen Worten so viel Atmosphäre schaffen kannst!“

Leserrekord für „Der Pfad“

Als „düster, verstörend, grausam, abstoßend, faszinierend, nachhallend“ beschreiben die Leser die Kurzgeschichte „Der Pfad“. Die Kommentare begeistern mich, hat mich der Text doch beim Schreiben wochenlang gepiesackt. Beeindruckend ist auch die Anzahl der Leser, welche den Text innerhalb kürzester Zeit auf Platz 4 meiner BookRix-Charts katapultierte:

1. Das Amarna-Grab (Leseprobe) – 910 Leser*
2. Der BookRix-Killer – 788 Leser*
3. Season Of Glass – 660 Leser
4. Der Pfad – 577 Leser*
5. Herzstillstand – 435 Leser
6. Das Konzept (Leseprobe) – 398 Leser*
7. Don’t panic – 352 Leser*
8. Der Brunnen – 289 Leser*
9. Retina – 234 Leser
10. Der Kritiker – 216 Leser

* momentan aufrufbare Texte

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Der Pfad – „Ein düsteres Meisterwerk“

In einem überaus spannenden Kopf an Kopf-Rennen mit Bert Riesers ‚Spuren im Eis‘ gewinnt die Kurzgeschichte ‚Der Pfad‘ unter dem Arbeitstitel ‚Nekrose‘ den aktuellen Literaturwettbewerb ‚Wortspiel‘ auf BookRix.

„Grauenhaft schauervoll und gleichzeitig faszinierend berührend. Wie sehr der Protagonist seine Frau liebt, ist bereits auf der ersten Seite in wenigen Zeilen zu spüren. So ausdrucksstark sprachgewandt formuliert, dass mich die Beschreibung seiner Seele noch mehr fesselt als die dramatische Schilderung der seltsamen Krankheit und ihrer entsetzlichen Folgen.“

„Ich liebe Cocktails und diese Geschichte ist ein besonders gelungener aus Horror, Liebe und dem Suchen nach dem Danach, nach dem Heil für die Seele, weil der Körper verfällt und nicht in Ewigkeit besteht.“

„Ich war noch recht unzufrieden, dass ich das Amarna-Grab aus Platzgründen heute neben Stephen King einsortieren musste. Jetzt bin ich vollkommen zufrieden damit.“

„Für mich eine kleine literarische Horrorperle, stimmungsvoll, kompromisslos und in ihren Effekten nachhallend.“

„Ein düsteres Meisterwerk.“

„Starker Tobak. Aber verdammt guter!“

„Die Erzählung hielt mich bis zur letzten Seite gefangen. Und das ist das Beste, was ich über eine Story sagen kann.“

Vielen Dank für alle Kommentare, speziell jene bezüglich Handlungsablauf und Interpretation. Liebe Leser, liebe Juroren, ihr seid phantastisch!

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Making of „Vermoulu“

25. Oktober 2010. Es sollte ein Spiel sein, eine Schnitzeljagd, bei der die Teilnehmer mittels einfacher, mehr oder weniger eindeutiger Hinweise kreuz und quer durch BookRix geschickt wurden. Nicht zu leicht, nicht zu schwer. Als Gewinn winkte mein Buch ‚Das Konzept‘.

Die Planung war so zufällig wie unterhaltsam und schon bald gelangte ich auf die Autorenseite des BookRix-Users bibliothekar, dem Hüter zahlreicher Werke klassischer Literatur. In der Buchliste stach ein Titel hervor: ‚Gespenster‘ von Henrik Ibsen.
Ich erwog, dass der nächste Hinweis in diesem Buchtext liegen sollte, und so las ich begeistert Gespenster, stets auch darauf bedacht, eine geeignete Textpassage für die Schnitzeljagd zu finden.

‚Eindeutig, es muss etwas Eindeutiges sein‘, und tatsächlich, nach zwei Dritteln wurde ich fündig:
„Und schließlich sagte er dann: schon seit Ihrer Geburt haben Sie diese wurmstichige Stelle; – ja, er gebrauchte grade den Ausdruck »vermoulu«.“ (aus: Gespenster)

Das Wort Vermoulu war auffällig, ein geeigneter Hinweis. Ich spielte mit dem Gedanken, den Begriff als Lösungswort zu benutzen. Oder konnte Vermoulu als Ausgangspunkt für einen weiteren Schritt dienen? Wenn ja, wofür? – Die Suche in den Buchtiteln auf BookRix führte zu keinem Treffer. Sehr gut! Schrieb ich jetzt einen Text mit dem Titel Vermoulu, würden ihn die Teilnehmer der Schnitzeljagd finden können.

So viel zur Theorie; jetzt musste die Geschichte Vermoulu geschrieben werden.

Die Vorgabe führte mich zur Zerkarie, ein Saugwurm, der irrtümlicherweise auch Menschen als Wirt benutzen kann. Ich erinnerte mich an ein Gespräch mit der Autorin Claudia Starke während der Frankfurter Buchmesse, bei dem ich vorschlug, eine Friedhofsszene mit den Worten „Modriger Geruch füllte seine Lungen“ beginnen zu lassen. Modrig passte wunderbar zur im Wasser vorkommenden Zerkarie.
Aus Recherchen zu einem Romanprojekt wusste ich von Friedhofsverlegungen, die auf einem napoleonischen Edikt vom 12. Juni 1804 basierten (Décret sur les sépultures). Damit hatte ich einen passenden historischen Rahmen.
Das Wort Vermoulu schließlich lud mich ein, die Handlung nach Frankreich zu verlegen. Als Vorlage des fiktiven Orts diente die Insel Bréhat, an deren Westküste die Kapelle Saint-Michel steht:
„Auf der Anhöhe könnten wir eine kleine Kapelle errichten. Eine Beerdigung bei Sonnenuntergang, direkt vor dem sich aufbäumenden Wogen des Ozeans; die Nähe Gottes würde förmlich gespürt.“
„Außer wenn es regnet.“
„Außer wenn es regnet“, lachte der Pfarrer, der seine gute Laune wiedergefunden hatte. „Wie bei der letzten Beerdigung.“ (aus: Vermoulu)

Die Uhr

„Du bist die Zeit, ich deine Uhr,
hab dir geleistet einen Schwur,
dir stets zu folgen, immerdar,
sei es im Sein, im Wird, im War.

Doch eines kann ich leider nicht,
auch wenn es mir das Herze bricht,
mich umzuwenden mit Geschick,
zu folgen dir, den Weg zurück.

Kein Sand nach oben fallen mag,
die Sonne nie kehrt um am Tag,
ein Pendel stets das Zahnrad dreht
in eine Richtung, wenn’s auch fleht.

Doch lieb ich dich und will dein Glück.
Dein Herzenswunsch: Du willst zurück!
Ich lasse los. Ich muss, ich will!“

Seit diesem Tage steh ich still.

Jacob Nomus
nach einem Motiv von Falk Einert

Leipziger Buchmesse: Live – Das Moebiusband

„Nicht die Natur zu beherrschen,
sondern sie nach eigenem Ermessen zu deuten,
ist des Menschen Gabe.“

Anbei der komplette Text: Jacob Nomus – Das Moebiusband

Mit Freude habe ich erfahren, dass die Spendenaktion »Lesen für Japan – Worte reichen so weit wie der Wind« ihren Zweck erfüllt hat. Informationen zur Aktion finden sich auf der Homepage des Verbands deutscher Schriftsteller: Solidarität mit Japan

Auf YouTube ist eine Videozusammenfassung der Aktion: Lesen für Japan

Ein großes Kompliment an die Organisatoren Olaf Trunschke und Regine Möbius für die gelungene Umsetzung einer sehr schönen Idee.

Jacob Nomus – Der Schwur

Säuberlich legte der alte Mann die ausgefranste Kordel auf den Tisch. Leises Rascheln begleitete das Öffnen des Packpapiers. Seine Hände zitterten, nicht vor Aufregung, kannte er doch jedes noch so kleine Detail der vergilbten Verpackung; einem Ritual gleich, hatte er sie in den letzten Jahren unzählige Male geöffnet und wieder verschlossen. Andächtig blickte er auf den ihm im Alter so wertvoll gewordenen Inhalt: ein weißer Elfenbeinfüller. Erinnerungen fluteten sein Bewusstsein, Bilder, Worte, der schwindende Reichtum eines Greises.

Trivia: Der Text entstand, während „Still“ von Jupiter Jones in der Hot Rotation lief. Danke an Claudia von „Claudias Bücherregal“ für den Tipp. : )

Auf BookRix online lesen bis einschließlich zum 31.03.2011: Jacob Nomus – Der Schwur

Jacob Nomus – Das Ende der Gegenwart

Vor zwanzig Minuten hatte sich Kreons Körper an diesem Ort materialisiert, nackt, inmitten einer glühenden Hölle. Zwanzig unendliche Minuten, in denen sein Hirn auf Hochtouren arbeitete. Wo zum Teufel war er hier? Die Sonne stand im Zenit, die Hitze war unerträglich. Um ihn herum nur Einöde. Kein Baum, kein Busch, kein Fels, der ihm Schutz hätte geben können. Nichts! Nur kahler, rissiger Boden.

Auf BookRix online lesen bis einschließlich zum 31.01.2011: Jacob Nomus – Das Ende der Gegenwart

„Das Ende der Gegenwart“ nimmt Teil am 4. Scriptathlon. Hier geht es zu den weiteren Wettbewerbsbeiträgen: 4. Scriptathlon