Die Entstehung von „Licht“

„Hundert Worte der Liebe waren der Preis für sein Leben.
Er versuchte sich zu erinnern, doch Leere erfüllte sein Herz.
Und so stürzte er in die Tiefen der Hölle hinab.“
(aus: „Licht“)

Der Text „Licht“ entstand für einen Drabble-Wettbewerb der Literaturplattform BookRix. Ein Drabble erzählt eine Geschichte in exakt einhundert Worten. Der Anfang des Textes beginnt mit dem Drabble „Die Unterwelt“, in welchem eben diese schreibtechnische Vorgabe als Metapher für die Erlösung des Protagonisten verwendet wird. Da bei dem Wettbewerb drei Drabbles eingereicht werden sollten, habe ich zwei weitere, in einem inhaltlichen Kontext stehende Handlungen hinzugefügt und sie mittels der dantesken Benennung als erster, zweiter und dritter Gesang in eine schlüssige Abfolge gebracht.

In der Anthologie Das Konzept sind die drei Gesänge allerdings nicht in der Reihenfolge ihrer Numerierung abgedruckt. Stattdessen beginnt „Licht“ mit dem mythologischen, zweiten Gesang („Die Unterwelt“), findet mit dem dritten („Die Rettung der Fischer“) seine Fortsetzung in der realen Welt und endet mit dem ersten („Die Befreiung der Liebe“) wieder in der Mythologie. Warum?

Es ist richtig, dass die abgedruckte Reihenfolge den tatsächlichen kreativen Prozess widergibt, denn der Erste Gesang wurde nach Fertigstellung des Zweiten Gesangs geschrieben. Ausschlaggebend allerdings waren zwei andere Gründe: Zum einen rufen die letzten Zeilen von „Die Befreiung der Liebe“ inhaltlich die ersten Zeilen aus „Die Unterwelt“ in Erinnerung. Die Handlung von „Licht“ bekommt dadurch etwas Zyklisches. Zum anderen wird damit die reale Erzählebene um die beiden Fischer in die Mitte der auf Anfang und Ende von „Licht“ verteilten, mythologischen Handlung gebettet. Der damit suggerierte, wie eine Sinuskurve anmutende, kontinuierliche Ebenenwechsel verstärkt den Eindruck eines wiederkehrenden Ereignisses.

Ebenfalls den einhundert Worten gewidmet ist die Tatsache, dass alle Sätze in „Licht“ aus je zehn Wörtern bestehen. Die für den Gesamttext geltende quantitative Vorgabe wird so auf ein niedrigeres Element heruntergebrochen. Die Satzstruktur erhält dadurch eine Metrik, die zwar zunächst steif wirkt, dank der archaischen Wortwahl jedoch wenig ins Gewicht fällt und dem Stil vielleicht sogar eine gewisse Authentizität verleiht.

„Licht“ jetzt auf BookRix lesen

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