Making of „Vermoulu“

25. Oktober 2010. Es sollte ein Spiel sein, eine Schnitzeljagd, bei der die Teilnehmer mittels einfacher, mehr oder weniger eindeutiger Hinweise kreuz und quer durch BookRix geschickt wurden. Nicht zu leicht, nicht zu schwer. Als Gewinn winkte mein Buch ‚Das Konzept‘.

Die Planung war so zufällig wie unterhaltsam und schon bald gelangte ich auf die Autorenseite des BookRix-Users bibliothekar, dem Hüter zahlreicher Werke klassischer Literatur. In der Buchliste stach ein Titel hervor: ‚Gespenster‘ von Henrik Ibsen.
Ich erwog, dass der nächste Hinweis in diesem Buchtext liegen sollte, und so las ich begeistert Gespenster, stets auch darauf bedacht, eine geeignete Textpassage für die Schnitzeljagd zu finden.

‚Eindeutig, es muss etwas Eindeutiges sein‘, und tatsächlich, nach zwei Dritteln wurde ich fündig:
„Und schließlich sagte er dann: schon seit Ihrer Geburt haben Sie diese wurmstichige Stelle; – ja, er gebrauchte grade den Ausdruck »vermoulu«.“ (aus: Gespenster)

Das Wort Vermoulu war auffällig, ein geeigneter Hinweis. Ich spielte mit dem Gedanken, den Begriff als Lösungswort zu benutzen. Oder konnte Vermoulu als Ausgangspunkt für einen weiteren Schritt dienen? Wenn ja, wofür? – Die Suche in den Buchtiteln auf BookRix führte zu keinem Treffer. Sehr gut! Schrieb ich jetzt einen Text mit dem Titel Vermoulu, würden ihn die Teilnehmer der Schnitzeljagd finden können.

So viel zur Theorie; jetzt musste die Geschichte Vermoulu geschrieben werden.

Die Vorgabe führte mich zur Zerkarie, ein Saugwurm, der irrtümlicherweise auch Menschen als Wirt benutzen kann. Ich erinnerte mich an ein Gespräch mit der Autorin Claudia Starke während der Frankfurter Buchmesse, bei dem ich vorschlug, eine Friedhofsszene mit den Worten „Modriger Geruch füllte seine Lungen“ beginnen zu lassen. Modrig passte wunderbar zur im Wasser vorkommenden Zerkarie.
Aus Recherchen zu einem Romanprojekt wusste ich von Friedhofsverlegungen, die auf einem napoleonischen Edikt vom 12. Juni 1804 basierten (Décret sur les sépultures). Damit hatte ich einen passenden historischen Rahmen.
Das Wort Vermoulu schließlich lud mich ein, die Handlung nach Frankreich zu verlegen. Als Vorlage des fiktiven Orts diente die Insel Bréhat, an deren Westküste die Kapelle Saint-Michel steht:
„Auf der Anhöhe könnten wir eine kleine Kapelle errichten. Eine Beerdigung bei Sonnenuntergang, direkt vor dem sich aufbäumenden Wogen des Ozeans; die Nähe Gottes würde förmlich gespürt.“
„Außer wenn es regnet.“
„Außer wenn es regnet“, lachte der Pfarrer, der seine gute Laune wiedergefunden hatte. „Wie bei der letzten Beerdigung.“ (aus: Vermoulu)

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