Making of „Das Amarna-Grab“: Sonnenfinsternisse und Himmelskörper

Durch Aton, die Sonnenscheibe, die Echnaton als einzigen Gott anbetet, hat die Sonne einen besonderen Platz in der Geschichte.

Wer eine lunare Sonnenfinsternis erlebt hat, weiß um die Außerordentlichkeit dieses Ereignisses auf die eigenen Sinne, Gefühle und Gedanken. Im Geist des Romans, Fiktives auf Erklärbares oder tatsächlich Geschehenes zu basieren, wollte ich das Naturereignis der Sonnenfinsternis als ein Element in der Geschichte benutzen, das von den Menschen als Dialog mit oder Nähe zu Gott gedeutet wird.

Auf der Internetseite der NASA sind alle lunaren Sonnenfinsternisse aufgelistet, sowohl zukünftige als auch vergangene. Mich interessierten nur totale Sonnenfinsternisse, die zum gewünschten Zeitpunkt über dem Ort der Handlung anzutreffen waren.

Echnaton
Anfang und Ende der Regierungszeit Echnatons sind nicht eindeutig festzulegen. Er soll 17 Jahre an der Macht gewesen sein, doch wann genau? Es finden sich verschiedene Zeiträume, z.B. 1351–1334 v. Chr., 1340–1324 v. Chr. (Helck) oder 1353–1336 v. Chr. Ich wollte mich nicht festlegen, deswegen steht zu Beginn eines jeden Kapitels aus dem Ägyptischen Reich der Bezug zum Regierungsjahr als relative Zeitangabe.

Für die Geschichte war es wichtig, dass sich die Sonnenfinsternis zu Beginn der Regierungszeit Echnatons zutrug, damit sie sein Handeln beeinflussen konnte. Einem Artikel des Amerikaners William McMurray folgend erhielt ich ein doppeltes Geschenk: (1) am 14. Mai 1337 v. Chr., 12:08, Breitengrad 27.6472N Längengrad 30.8860E war nach Angaben der NASA eine totale Sonnenfinsternis zu beobachten, und zwar (2) in unmittelbarer Nähe von Amarna. Nur drei Jahre nach Regierungsbeginn, wenn man der Zeitrechnung von Helck folgt. Diese Information gibt der Protagonist Velikovsky am Ende des Buches und sie beruht auf einer Tatsache, zumindest gemäß NASA. : )

Elija
Die drei Sonnenfinsternisse bei Elija konnten durch entsprechende Anpassung von Ort und Umständen leicht in die fiktive Geschichte eingebaut werden:
30. Juni 10 v. Chr., 11:14 Uhr, Breitengrad 33.7232N, Längengrad 44.5303E
23. Oktober 7 v. Chr., 05:30 Uhr, Breitengrad 23.1225N, Längengrad 32.7597E
24. November 29 n. Chr., 08:52 Uhr, Breitengrad 32.9608N, Längengrad 39.8312E

Auch der scheinbare Widerspruch, dass die Apostel, die gemäß des Judas-Evangeliums kein Verhältnis unendlichen Vertrauens zu Jesus gehabt zu haben scheinen, trotzdem ihre Leiden bei der Verkündung von Gottes Wort auf sich nahmen, sollten im Einklang mit dem Bibeltext durch die Sonnenfinsternis unterm Kreuz geläutert werden, die alle eventuellen Zweifel in ihnen unwiderruflich löschen sollte. Doch gemäß Nasa gab es um 30 n. Chr. zu Ostern über Jerusalem keine Sonnenfinsternis.

Eine kurze Nachfrage bei zwei Priestern ergab, dass auch der Vatikan in der Verdunklung der Sonne zur Kreuzigung Jesu ein außergewöhnliches Ereignis ohne wissenschaftliche Erklärung sieht. Ich sah mich also in der Situation, dass ich zwar die Verdunklung brauchte, um das Verhalten der Apostel mit dem Inhalt des Judas-Evangeliums in Einklang zu bringen, sie aber nicht mit Fakten erklären konnte, wie ich es aber für den Roman vorgesehen hatte. Zudem wünschte ich eine Erklärung, die die Sonnenfinsternis vorhersehbar machte, damit ihre Wirkung gezielt in dem Plan der Verschwörer genutzt werden konnte, der die Manipulation der Apostel vorsieht.

Die unsichtbare Welt
Dem Nichterklärbaren oder Zufälligen bevorzugte ich also ein dem von Immanuel Velikovsky in seinem Buch „World in collisions“ als wissenschaftlichen Beitrag beschriebenen „Beinahe-Weltuntergangs“ ähnliches Konstrukt. Immanuel Velikovsky hatte sich mit antiken Schriften verschiedener Kulturen auseinandergesetzt, die allesamt von einer enormen Katastrophe berichteten. Da der Zeitpunkt übereinzustimmen schien und die Beobachtungen von Orten gemacht wurden, die über die Erde verteilt waren (z.B. Südamerika, Ägypten), schloss er auf eine weltweite Katastrophe epischen Umfangs: Die Venus, als abtrünniger Teil Jupiters, soll an der Erde vorbeigezogen sein und durch das eigene Magnetfeld die Rotation der Erde invertiert haben. So erklärt Immanuel Velikovsky die Existenz prähistorischer Sonnenunhren, die nicht funktionieren, aber auch heute noch den Sonnenstand richtig anzeigen würden, wenn die Erdrotation entgegengesetzt wäre.

Die in seinem Werk „World in collisions“ beschriebenen Ausmaße der Katastrophe reichen, um die Kreuzigungsszene in der Bibel wörtlich interpretieren zu können und eine stundenlange Verdunklung der Sonne aufgrund von Stürmen zumindest nachvollziehbar zu machen. An dieser Stelle basiert der Roman zwar nicht auf Fakten, also einem tatsächlich in der Vergangenheit vorbeigezogenen Planeten, aber wieder auf etwas wirklich Existierendem, nämlich die Theorie von Immanuel Velikovsky.

Zusammen mit einem Astronom habe ich Daten und Uhrzeiten der Elija-Geschichte in ein Modell eingegeben, das das entsprechende Firmament anzeigte. Die in dem Kapitel „Die unsichtbare Welt“ angegebenen Sternzeichen, z.B. Fische, und Bewegungen der Himmelskörper, z.B. Merkur, sind also exakt jene, die, gemäß heutiger Modelle, ein Mensch im Jahr 33 n.Chr. beobachten konnte. Mir wurde von dem Astronomen ebenfalls die Richtigkeit der Flugbahn und die Sichtbarkeit des riesigen Himmelskörpers mit bloßem Auge bestätigt. Das fertige Konstrukt sei theoretisch möglich, wenn auch unwahrscheinlich.

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